Führerschein T als Grüne-Berufe-Booster nutzen – weitere Schritte zur Fachkräftesicherung notwendig
Der Landesbauernverband Brandenburg und der Land- und Forstwirtschaftliche Arbeitgeberverband Brandenburg-Berlin (AGV) bestärken die Abgeordneten des Brandenburger Landtags, die Auflage eines „Führerschein-T-BAföG“ voranzutreiben. Das Finanzierungsmodell analog zum Darlehen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) würde junge Auszubildende in die Lage versetzen, den für die Ausbildung in einem landwirtschaftlichen Beruf unentbehrlichen Traktorführerschein unabhängig von Eltern oder Familie finanzieren zu können. Gleichzeitig mahnen die Verbände weitere Schritte zur Fachkräftesicherung an.
„Der Traktorführerschein ist für die Ausbildung zum Landwirt unentbehrlich“, betont Heiko Terno, Vorsitzender des mit dem LBV verbundenen Bildungsvereins der Landwirtschaft Brandenburg (BVLB). „Er kostet unsere Auszubildenden je nach Anzahl der Fahrstunden jedoch mittlerweile mehr als 2.000 Euro! Das ist für die jungen Menschen und ihre Familien eine Herausforderung. Ein Führerschein-BAföG ist deshalb eine gute Sache.“
Terno betont aber auch: „Die Herausforderungen in den Grünen Berufen gehen weit über den Führerschein hinaus. Vielfach bringen die Auszubildenden nicht mehr die notwendigen Fähigkeiten aus der Schule mit. Hier müssen wir wieder besser werden. Auch brauchen wir Lösungen für Wohnraum und Mobilität der Azubi. Und unnötige Bürokratie wie die Vorlage einer Tierseuchenfreiheitsbescheinigung, die mit hohen Gebühren belegt ist, gehört abgeschafft!“
Hans-Christian Daniels, Vorsitzender des Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes Brandenburg-Berlin (AGV), bekräftigt: „Die moderne Landwirtschaft ist ohne leistungsstarke Technik nicht denkbar. Der T-Führerschein muss deshalb fester Bestandteil der landwirtschaftlichen Ausbildung sein. Bei der Finanzierung unterstützen bereits viele Betriebe, jedoch braucht es ein Finanzierungsmodell, auf das sich alle Betriebe und Azubi gleichermaßen verlassen können.
Brandenburg gehört bei der tariflichen Ausbildungsvergütung bundesweit zu den Top 3 in der Land- und Forstwirtschaft. Auch die kürzlichen Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft führten erneut zu einer Einigung über die Erhöhung der Ausbildungsvergütung. Das zeigt: Ausbildung hat Priorität für die brandenburgischen Betriebe und ist Grundlage für verantwortungsvolle Fachkräfte der nächsten Generation. Einen T-Führerschein während der Ausbildung zu absolvieren, ist dafür ein zentraler Baustein.“
Der Erwerb des Führerschein T ist in der Ausbildungsverordnung des Bundes für den Beruf des Landwirts nicht als Pflichtinhalt festgeschrieben. Berufsstand und Länder verständigten sich, dass die Ausbildungsbetriebe mit einer verpflichtenden Führerschein-T-Ausbildung in unzumutbarer Weise belastet würden, vor allem in Bundesländern, in denen die Azubi zu jedem Ausbildungsjahr den Betrieb wechseln. In Brandenburg wurden daher verschiedene individuelle Lösungen entwickelt, um die jungen Menschen dennoch zügig als Fahrerinnen oder Fahrer der modernen Landtechnikmaschinen zu befähigen. Viele Ausbildungsbetriebe stellen Übungsfahrzeuge bereit oder setzen finanzielle Anreize, um ihre Auszubildenden als spätere Facharbeiter im Betrieb zu halten. In den vergangenen drei Jahren wurden zudem Theorie-Kurse für den Führerschein T über die Richtlinie Ländliche Berufsbildung (LBb) des MLEUV gefördert. Allerdings bremsen hier bürokratische Anforderungen an eine Mindestanzahl der Kursteilnehmenden und die oft fehlende Organisation des direkten Anschlusses an den fahrpraktischen Teil die Etablierung dieses Fördermodells aus. Die meisten Azubi kratzen mit Hilfe der Familie das Geld zusammen und nutzen das Angebot der für Nutzfahrzeuge spezialisierten Fahrschulen im Land.
Eine Darlehensregelung wäre daher eine willkommene Lösung sowohl für Azubi und Ausbildungsbetrieb, um beide Seiten finanziell zu entlasten, die Auszubildenden für den zügigen Erwerb des Führerscheins zu motivieren und eine einheitliche Regelung für das Land Brandenburg herzustellen, die die Attraktivität der landwirtschaftlichen Ausbildung erheblich erhöht.
Hintergrund:
Auf der 35. Sitzung des Brandenburger Landtags wird heute u.a. ein Antrag von SPD-Fraktion und CDU-Fraktion zur Stärkung der Grünen Berufe debattiert. Die Regierungsfraktionen fordern darin von der Landesregierung, zu prüfen, ob eine Finanzierung des Erwerbs des Führerschein Klasse T in Form eines Darlehens analog zum BAföG für Studierende („Führerschein-BAföG“) auf den Weg gebracht werden kann. Zudem werden die zukünftige Förderung und Weiterentwicklung bewährter, die Aus- und Weiterbildung in den Grünen Berufen begleitender Strukturen diskutiert. Dazu gehören die überbetriebliche Ausbildung, die Ausbildungsnetzwerke, die berufliche Bildung im Agrarbereich an der HVHS sowie in den Regionalstellen für Bildung im Agrarbereich und die Berufsorientierung an den Schulen mit den Projekten AgrarAktiv und LandAktiv. Zudem sollen Strategien erörtert werden, dem abfallenden Leistungsniveau der Schulabgänger zu begegnen und junge Menschen für die wachsenden technologischen Anforderungen in der digitalisierten Landwirtschaft fit zu machen.