Brandenburger Landpartie spiegelt auch die Sorgen der Landwirtschaft
Landesbauernverband fordert mehr öffentliches Bewusstsein für regionale landwirtschaftliche Produktion
135 gastgebende Höfe laden am kommenden Wochenende, den 13./14. Juni, zur Brandenburger Landpartie ein. Die gastgebenden Betriebe präsentieren sich mit regionalen Produkten, frisch oder konfektioniert, locken mit gastronomischen Angeboten, Führungen, Kremserfahrten, Ausstellungen alter und neuer Landtechnik, mit Musik und Kultur für die ganze Familie. Der Landesbauernverband Brandenburg ermuntert vor allem Stadtbewohner, die offenen Höfe zu nutzen, um sich über den Weg und den Wert der regionalen Erzeugung von Lebensmitteln zu informieren.
„Wir freuen uns darauf, dem urbanen Raum einmal näher zu bringen, was in einem Glas Milch drinsteckt, warum Gärreste aus der Biogasanlage nicht mehr riechen oder Mohn und Kornblumen im Blühstreifen willkommen sind, im Weizenfeld jedoch nicht“, erläuterte LBV-Vizepräsident Heiko Terno gestern auf der Landespressekonferenz zur Brandenburger Landpartie die Motivation hinter dem Event.
Nur knapp 30 der an der Landpartie teilnehmenden Betriebe betreiben allerdings noch klassische Landwirtschaft, räumte Terno ein. Viele tierhaltende Betriebe ließen aufgrund des anhaltenden Seuchendrucks ihre Ställe für die Öffentlichkeit geschlossen. Produktions- und Personalkosten stünden zudem in einem bedenklichen Widerspruch zu den Erlösen am Markt, die Betriebe schrieben rote Zahlen. Zudem sorgen die Pläne der EU, per Kappung und Degression die Agrarförderung ab 2028 für Betriebe ab einer bestimmten Hektargröße massiv zu kürzen, für extreme Unsicherheit und Zukunftssorgen, begründete Terno die Zurückhaltung der Landwirte.
„Wir haben in allen Bereichen fast keine Kosten deckenden Preise mehr. Vor zehn Jahren betrug der Mindestlohn noch 8 € und das Stückchen Butter kostete 2,50 €, heute beträgt der Mindestlohn gut 14 €, die Butter kostet aber nur 90 Cent“, verdeutlicht der Vizepräsident die wirtschaftliche Schieflage in der Landwirtschaft, über die man an einem Landpartietag mit den Gastgebern ins Gespräch gehen kann.
Die Brandenburger Landpartie ist daher ein Seismograf der Stimmungslage in der Landwirtschaft. Das Engagement der landwirtschaftlichen Unternehmen hinsichtlich der Ausrichtung von Festlichkeiten, von öffentlichkeitswirksamen Aktionen, von Formaten des Miteinanders auf dem Land steht und fällt mit ihrer wirtschaftlichen Situation. Der Landesbauernverband ruft daher Brandenburger und Berliner dazu auf, sich den Slogan „Meine Wahl ist regional“ beim Einkauf zu eigen zu machen, bewusst regional einzukaufen und auf diese Weise die regionale Erzeugung von Lebensmitteln vor der eigenen Haustür zu unterstützen.
Heiko Terno: „Wir brauchen ein neues Bewusstsein für die landwirtschaftliche Produktion hier im Land, sonst schauen wir uns zukünftig die Kühe nur noch im Tierpark an.“
Brandenburger Landpartie spiegelt auch die Sorgen der Landwirtschaft