Verrannte Situationen brauchen
kreative Lösungen
Pressemitteilung
Der Landesbauernverband zum rbb-Talk „Regional, bald egal?“ vom 24.2.2026
Unter dem nachhaltigen Eindruck der Schließung der beiden wichtigsten Weiterverarbeitungsstätten für die Fleischerzeugung in Brandenburg fordert der Landesbauernverband von der zukünftigen Koalition, die klaffenden Lücken in der regionalen Wertschöpfungskette durch kreative Investitionskonzepte zu schließen.
Heiko Terno, Vizepräsident des Landesbauernverbandes und selbst Erzeuger und Vermarkter, bringt es auf den Punkt: „Wer Regionalität will, muss auch in regionale Produktion investieren. Wir, die landwirtschaftlichen Betriebe, tragen die Produktion und sichern Versorgung, Arbeitsplätze und Wertschöpfung im ländlichen Raum. Das muss uns als Land Brandenburg etwas wert sein.“
Der Landesbauernverband schlägt daher vor, das Qualitätszeichen des Landes Brandenburg „Gesicherte Qualität Brandenburg“ (QZBB) als strategisches Instrument zur Markterschließung zu stärken und konsequent weiterzuentwickeln. So muss das QZBB zukünftig verbindlich in öffentlichen Ausschreibungen für die Gemeinschaftsverpflegung berücksichtigt werden. Regional erzeugte Produkte würden so in allen öffentlichen Einrichtungen auf den Tellern landen. Denn das Qualitätszeichen garantiert die Erzeugung der Ausgangsprodukte in Brandenburg als auch die Verarbeitung der Produkte aus regional hergestellten Zutaten.
Als weiteres Instrument könnte die verpflichtende Abnahme von Lebensmitteln mit Brandenburger Qualitätssiegel im Zuge von Genehmigungen für den Bau von Einrichtungen des Lebensmitteleinzelhandels oder der Gastronomie vertraglich festgeschrieben werden.
Diese Maßnahmen würden einen verlässlichen Markt schaffen, in den die Verarbeitungswirtschaft gezielt investieren kann. Gleichzeitig ermöglichen sie eine langfristige Abnahme regionaler landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Durch ein Abkommen mit Berlin für dessen Gemeinschaftsverpflegung könnte dieser Markt noch ausgeweitet werden. Das Qualitätszeichen würde danach auch in den Ausschreibungen des Landes Berlin verbindlich angewendet werden und den potenziell bedeutenden Markt der Metropole erschließen.
Der Landesbauernverband ist sich der Herausforderungen bewusst, was es heißt, eine breitere Akzeptanz des Siegels sowohl bei den Erzeugern und dem Handel zu erwirken als auch das EU-Notifizierungsverfahren für den technischen Eingriff in den Absatzmarkt durchzustehen. Gerade die Vorgabe der Einhaltung kurzer Transportzeiten zur Schlachtstätte von maximal vier Stunden ist in der aktuellen Situation mit dem geschlossenen Perleberger Schlachthof für viele Rinder oder Schweine haltende Betriebe eine Absurdität. Es sind jedoch genau diese Hürden, die von der neuen Regierungskoalition mit Mut und Willen im Interesse einer funktionierenden regionalen ländlichen Wertschöpfung genommen werden müssen.
Der LBV unterstreicht daher hiermit sein Kernanliegen, die dringend notwendigen „Investitionen für regionale Wertschöpfung“ im Koalitionsvertrag festzuschreiben.
Terno: „Ohne intakte Verarbeitungskapazitäten bricht die regionale Wertschöpfungskette zusammen. Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen. Das geht im Zusammenspiel mit einem starken Brandenburger Qualitätssiegel und – daran will ich hier ausdrücklich erinnern - ungekürzter GAP-Förderung! Denn die EU-Direktzahlungen geben den Landwirten die nötige Liquidität, um in Zertifizierung und Diversifizierung zu investieren. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind bereit, diesen Weg mitzugehen – wenn Planungssicherheit besteht.“