Mit Stimme und Haltung:
Brandenburgs landwirtschaftliche Unternehmerinnen

PRESSEMITTEILUNG

(Berlin, 21.01.2026) Das Unternehmerinnen-Netzwerk des Landesbauernverbandes Brandenburg traf sich heute auf der Grünen Woche zu einem persönlichen Austausch mit Brandenburgs Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt. Teilnehmende dieses ersten, von politischen Zielsetzungen geprägten Treffens des Netzwerks waren zu gleichen Teilen selbstständige Betriebsleiterinnen als auch angestellte Geschäftsführerinnen in Brandenburger Landwirtschaftsbetrieben. In dieser Zusammensetzung repräsentierten sie ein Alleinstellungsmerkmal der besonderen ostdeutschen Agrarstruktur Brandenburgs, in der die Errungenschaften der DDR-Gleichstellungspolitik heute noch nachwirken. Während bundesweit nur rund 11 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geführt werden, liegt der Anteil in Brandenburg bei etwa 20 Prozent. Insgesamt sind rund 36 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Brandenburgs weiblich.

„Frauen in der Landwirtschaft Brandenburgs werden weitaus weniger als Exotinnen wahrgenommen als in vielen Regionen Westdeutschlands, wie zum Beispiel in meiner Heimat im Osnabrücker Land," erklärte Gabriele Stockhoff, Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft Bernhagenrind eG. „Die berufliche Förderung von Frauen hat hier Tradition und das wirkt bis heute nach. Frauen werden als Führungskräfte in Brandenburg eher anerkannt und respektiert. Das müssen wir unbedingt weiter unterstützen und vorantreiben!“

Neben der politischen Interessenvertretung verfolgt das im April 2025 gegründete Unternehmerinnen-Netzwerk auch eigene Förderansätze. Nach den Erfahrungen des Unternehmerinnen-Netzwerks des Deutschen Bauernverbandes möchten auch sie für Brandenburg ein Mentorinnen-Programm für junge Frauen - Existenzgründerinnen, Betriebsleiterinnen, Absolventinnen fachlicher Qualifizierungen mit Karriereplänen - auflegen. Jana Gäbert, Geschäftsführerin der agt Agrar Gmbh, stellte im Gespräch mit der Ministerin die Vorzüge eines solchen Programms dar:

„Ich habe im DBV-Mentorinnen-Netzwerk ein Jahr lang eine junge Frau aus Mecklenburg-Vorpommern auf ihrem Weg in eine Führungsrolle begleitet. Zu sehen, wie sie an Sicherheit gewonnen und zunehmend für sich und ihre Ideen eingestanden hat, war sehr beeindruckend. Mentoring kann jungen Frauen helfen, schneller in Führung hineinzuwachsen. Gerade in einer Branche, die noch immer stark männlich geprägt ist. Ein Mentorinnen-Programm für Brandenburg, das auch vom Land mitgetragen wird, könnte genau hier ansetzen. Ich bin überzeugt, dass sich dadurch langfristig auch die Zusammenarbeit mit Agrartechnikunternehmen, Kreditinstituten und Beratungsstrukturen verändert und die Frage ‚Wo ist denn der Chef?‘ irgendwann überflüssig wird.“

Im Mittelpunkt des Treffens stand auch Ministerin Hanka Mittelstädt selbst. Als weibliche Führungspersönlichkeit an der Spitze des Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz diskutierte sie mit den Teilnehmerinnen über Führungsverständnis, strategische Herausforderungen und politische Gestaltungsspielräume. Im Gespräch betonte sie:
„Dieses Selbstverständnis der Frauen in Brandenburg, Verantwortung und Führungsrollen zu übernehmen, müssen wir erhalten, fördern und ausbauen. Ziel muss es sein, es eines Tages als selbstverständlich zu erleben, als Frau Unternehmerin und Betriebsleiterin zu sein. Die Arbeit des Unternehmerinnen-Netzwerks Brandenburg ist dabei von großer Bedeutung. Im UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft gilt es, Frauen gezielt zu stärken und sichtbar zu machen.“

Der Landesbauernverband Brandenburg bewertet das heutige Treffen seines Unternehmerinnen-Netzwerks als öffentlichkeitswirksames Zeichen der selbstverständlicheren Sichtbarkeit und Integriertheit von Frauen in der ostdeutschen Landwirtschaft. In Vorausschau auf die Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028, die das Augenmerk auf die Stärkung von Frauen in der Landwirtschaft legt, ist Brandenburg heute schon auf dem besten Weg, seinen Beitrag zur Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft und insbesondere in Führungspositionen zu erfüllen. In der aktuellen Debatte um Kappung und Degression der Direktzahlungen muss dies insbesondere für leistungsstarke, immer häufiger weiblich geführte Betriebe berücksichtigt werden.