04.03.2026 Aktuelles Agrar- & Verbandspolitik, Veranstaltungen ca. 3 Min. Lesezeit

Brandenburg ist Landwirtschaft – Jetzt ist der Zeitpunkt für Veränderungen

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Brandenburg ist Landwirtschaft – Jetzt ist der Zeitpunkt für Veränderungen
 
Brandenburgs Landwirtschaft steht an einem Scheideweg. Steigende Betriebsmittelpreise, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Erzeugerpreise und eine wachsende Förderabhängigkeit setzen die Landwirtschaft massiv unter Druck. Gleichzeitig bestehen nach der Schließung bedeutender Verarbeitungsstätten im Land klaffende Lücken in der regionalen Wertschöpfungskette. Das erstrebenswerte Ziel einer möglichst hohen Eigenversorgung der Metropolregion mit relevanten Anteilen von Lebensmitteln ‚Made in Brandenburg‘ ist nach 35 Jahren agrarpolitische Steuerung in einer Marktwirtschaft weit in die Ferne gerückt. Die landwirtschaftlichen Unternehmen müssen sich zwangsläufig auf die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union konzentrieren. Brandenburg muss sich als europäischer Agrarstandort begreifen. ‚Made in Brandenburg‘ wird zur Vision für eine starke, europäische Landwirtschaft.
 
Auf ihrem 15. Landesbauerntag in Klaistow unterstreichen Brandenburgs Landwirtinnen und Landwirte diese wiedererkannte Rolle als tragende Wirtschaftsakteure in Europa. Sie fordern von der Politik einen realistischen Blick auf die aktuelle Situation, sie fordern Kreativität, Pragmatismus, mehr Leidenschaft. Politik sollte sich von einem positiven Werte-Verständnis von der Branche leiten lassen und diese Grundhaltung in die Gesellschaft ausstrahlen.
 
Wir möchten der Politik heute ‘Made in Brandenburg‘ als stolzes Label für Brandenburgs Landwirtschaft anbieten“, erklärt LBV-Präsident Wendorff vor den knapp 200 Delegierten und Gästen des Landesbauerntages. „‚Made in Brandenburg‘ kann in allen anstehenden Verhandlungen mit der EU-Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik sowie mit unseren Wirtschaftspartnern der Verarbeitung und des Handels in den anderen Bundesländern eingebracht werden. Denn hinter ‚Made in Brandenburg‘ stehen unsere gewachsenen ostdeutschen Agrarstrukturen, unsere Mitgliedsunternehmen als Ankerbetriebe vor Ort in der Region, dahinter stehen unabhängige, geregelte Arbeit, Leistungsfähigkeit, erhebliches Innovationspotenzial, Sachverstand, Wissenschaftlichkeit und die naturverträgliche Gestaltung der Kulturlandschaft.
 
Aus diesem Angebot generierte der Landesbauernverband eine 6-Punkte-Agenda für die anstehende, in neuer politischer Konstellation weiter zu führende Legislatur, die die früheren Strategiepapiere „Der Neue Brandenburger Weg“ (2020) und „Weißbuch 2024 – Zukunftsplan Landwirtschaft“ (2024) fortschreibt. Ziel ist es, das Potenzial Brandenburgs als Herzstück des aktuellen europäischen, ‚Made in Europe‘-Konzepts aufzubauen. In dem heute verabschiedeten Forderungspapier ‚Made in Brandenburg‘ – Unsere Vision für eine starke, europäische Landwirtschaft“ heißt es:
 
Brandenburg kann sein Potenzial als Herzstück von „Made in Europe“ nur dann voll entfalten, wenn Politik, Verwaltung und Betriebe jetzt konsequent handeln. Die Basis dafür bilden ein modernes Agrarbodenrecht, verlässliche Agrarförderung, eine praxisnahe Naturschutzpolitik sowie digitale Verwaltungsstrukturen, die effizientes Arbeiten ermöglichen. Gleichzeitig muss in die Ausbildung, den Nachwuchs und die Innovationskraft der Betriebe investiert werden, um die wirtschaftliche Resilienz, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit langfristig zu sichern. Brandenburg handelt – damit Europa ernährt wird.
 
Das Forderungspapier wurde heute unter dem Eindruck des parallel von der neuen Regierungskoalition aus SPD und CDU in Brandenburg verabschiedeten Koalitionsvertrages an den Staatssekretär im Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz, Dr. Stephan Nickisch, übergeben. Der Landesbauernverband sieht es als notwendiges Strategiepapier ergänzend zum Koalitionsvertrag, um den Agrarstandort Brandenburg als systemrelevanten Wirtschaftsstandort stark zu machen und auf diese Weise zur Ernährungssouveränität Europas beizutragen.