03.03.2026 ca. 7 Min. Lesezeit

Landwirtschaft ist Brandenburg - Zeitpunkt für Veränderungen

Titelbild von Landwirtschaft in Brandenburg von LBV BB

Landwirtschaft ist europäisch. Landwirtschaft ist regional. Landwirtschaft ist Brandenburg. Zeitpunkt für Veränderungen

Landwirtschaft ist europäisch.
Die Landwirtschaft in Brandenburg ist fest in die europäische Architektur eingebettet. Die EU setzt mit der Gemeinsamen Agrarpolitik den ordnungspolitischen Rahmen: Förderinstrumente, Konditionalitäten, Umweltauflagen und Marktordnungen entstehen in Brüssel und wirken bis auf den märkischen Acker.

Europa ist daher keine abstrakte Größe, sondern gelebte Realität: Förderabhängigkeit, wirtschaftliche Lage der Betriebe und Perspektiven sind Ausdruck europäischer Entscheidungen.

Landwirtschaft ist regional.
Trotz europäischer Einbindung wurzelt Landwirtschaft immer im konkreten Raum. Böden, Klima, Betriebsstrukturen und Wertschöpfungsketten sind regional geprägt. In Brandenburg zeigt sich jedoch eine geschwächte regionale Versorgungsbasis: Selbstversorgungsgrade reichen vielfach nicht aus.

Fehlen Verarbeitungsstrukturen oder Investitionen, verliert die Region Wertschöpfung und es wächst die Abhängigkeit von Importen. Fördermittel können strukturelle Nachteile ausgleichen, ersetzen aber keine tragfähige Wertschöpfung.

Landwirtschaft ist Brandenburg.
Landwirtschaft prägt Brandenburg historisch, kulturell und wirtschaftlich. Ihr Anteil am Bruttosozialprodukt ist zurückgegangen, ebenso die eigenständige Versorgungsfähigkeit des Landes. In geopolitisch unsicheren Zeiten zeigt sich: Ernährungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit.

Die aktuelle Situation: steigende Betriebsmittelpreise, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Erzeugerpreise und wachsende Förderabhängigkeit. Brandenburgs Landwirtschaft steht am Scheideweg: europäische Rahmenbedingungen, regionale Wertschöpfungsdefizite und landesspezifische Strukturfragen überlagern sich.

Dies ist der Zeitpunkt für Veränderungen. 

„Made in Brandenburg“ – Unsere Vision für eine starke, europäische Landwirtschaft
„Made in Brandenburg“ ist mehr als ein Label: Es steht für wirtschaftliche Souveränität, Resilienz und Nachhaltigkeit. Dafür braucht es einen starken, anerkannten Landwirtschaftsverband, der die Interessen aller Betriebsformen bündelt und Gehör findet. Brandenburg sichert als Schlüsselfaktor Europas Versorgung – mit leistungsfähigen Betrieben aller Größen.

Die Vision fordert: regionale Produktion, Verarbeitung und Vermarktung als geschlossene Wertschöpfungskette zu denken; Investitionen zu ermöglichen, Innovationen zu fördern und Planungssicherheit zu schaffen. Qualität, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und moderne Technik sind zentral.

Auch die nächste Generation muss gezielt gestärkt werden: Betriebsübergaben, Ausbildung, Weiterbildung und unternehmerische Entwicklungsperspektiven sichern die Zukunftsfähigkeit.

„Made in Brandenburg“ ist damit ein klares Bekenntnis für eine starke heimische Landwirtschaft, resiliente europäische Versorgungsketten und wirtschaftlich, ökologisch sowie sozial tragfähige ländliche Räume.

Vom Angebot zur Agenda
Diese Vision „Made in Brandenburg“ baut auf früheren Leitwerken des Landesbauernverbands Brandenburg auf. Vor sechs Jahren legte der LBV mit dem „Neuen Brandenburgischen Weg“ ein strategisches Angebotspapier vor, das gesellschaftliche Erwartungen, politische Anforderungen und agrarwirtschaftliche Praxis miteinander verknüpfte und einen Dialog zwischen Berufsstand, Politik und Gesellschaft anstieß. Darauf aufbauend wurde im März 2024 das „Weißbuch 2024 – Zukunftsplan Landwirtschaft“ verabschiedet, das die Grundlinien in einen konkreten Handlungsplan mit Maßnahmen zu Produktivität, Beteiligungsrechten und regulatorischer Vereinfachung überführte. „Made in Brandenburg“ greift diese beiden Vorläufer auf, verknüpft deren strategische Zielsetzungen mit einer klaren Umsetzungsagenda und formuliert daraus einen praxis- und politikfähigen Realisierungsrahmen für die Landes-, Bundes- und EU-Ebenen in sechs Grundpfeilern.

Sechs Grundpfeiler für „Made in Brandenburg“
Aus der Analyse der bestehenden Herausforderungen ergeben sich keine Einzelmaßnahmen, sondern strukturelle Handlungsfelder. Wer „Made in Brandenburg“ ernst nimmt, braucht ein belastbares Fundament. Die folgenden sechs Punkte markieren daher die grundlegenden Pfeiler einer zukunftsfähigen Agrarpolitik. Sie verbinden Versorgungssicherheit mit Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit mit Wirtschaftlichkeit und strategische Zielsetzung mit konkreter Umsetzbarkeit.

Es geht nicht um additive Förderbausteine, sondern um ein kohärentes System. Jeder dieser Punkte wirkt nur im Zusammenspiel mit den anderen. Erst wenn die Voraussetzungen geschafft sind, entsteht aus einer Marke ein tragfähiges politisches Programm.

  1. Krisensichere Versorgung
    Stabile Betriebe, funktionierende Betriebsübergaben und produktiv genutzte Flächen sichern die Versorgung – statt Spekulation oder Importabhängigkeit.
  2. Regionale Wertschöpfung
    Pflanzliche und tierische Produktion wird mit Verarbeitung und Vermarktung verbunden. Beschleunigte Genehmigungen, gezielte Investitionen und sichtbare Produkte stärken das Label Brandenburg.
  3. Tempo und Effizienz
    Digitale Verwaltung und schlanke Prozesse ermöglichen lückenlosen Nachweis von Herkunft, Qualität und Nachhaltigkeit.
  4. Fachkräfte, Innovation und Bildung
    Nachwuchs, Qualifizierung und moderne Techniken treiben nachhaltige Landwirtschaft voran – ohne Fachkräfte wird Europa zum Importeur.
  5. Praxisnahe Nachhaltigkeit
    Naturschutzregeln unterstützen Produktion und Biodiversität, statt sie zu verhindern.
  6. Starke Interessenvertretung
    Ein anerkannter Landwirtschaftsverband bündelt die Interessen Brandenburgs und sichert Gehör auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene.

Krisensichere Versorgung - Flächen und Förderung sichern

è Verlässliche Agrarförderung

  • Ablehnung von Kappung, Degression und Bedürftigkeitsprüfung; GAP-Direktzahlungen bleiben einkommensstützend und unabhängig von Betriebsgröße oder Rechtsform
  • Inflationsgerechte Ausstattung der GAP-Mittel im Mehrjährigen Finanzrahmen der EU
  • Praxisnahe Junglandwirtestrategie: Übernahme, Beteiligung, schrittweiser Einstieg in bestehende Betriebe, Eigentumsbildung und passgenaue Bürgschaftsprogramme für junge Menschen
  • Betriebliche Risikomanagement-Tools zur Absicherung gegen Klimarisiken und Marktschwankungen
  • Vereinfachung und Digitalisierung der Agrarverwaltung: klare digitale Prozesse, Bürokratieabbau, mehr Effizienz
  • Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen mit Anreizen für alle Betriebsformen, die ökologische Leistungen rentabel machen.
     

è Stabiles Agrarbodenrecht

  • Agrarbodengesetz: dauerhafter Flächenzugang, Preise am Ertragswert ausrichten.
  • Innerfamiliäre Erwerbsvorgänge in gerader Linie genehmigungsfrei mit bloßer Anzeigepflicht.
  • Langfristige Pachtverhältnisse für Investitionssicherheit und nachhaltige Flächennutzung.
  • Öffentliche Akteure nur als reguläre Marktteilnehmer, keine Privilegierung.
  • Share Deals so gestalten, dass rein renditeorientierte Modelle unattraktiv bleiben, ohne die Weiterentwicklung der Betriebe zu behindern.

è  „Made in Europa" als EU-Strategie - Kampagne der EU-Kommission

  • Vorrang für europäische Erzeugung bei strategisch relevanten Nahrungsmitteln und Rohstoffen.
  • Ernährungssicherung als Bestandteil europäischer Handels-, Klima- und Energiepolitik verankern.
  • Strategische Sicherung von Betriebsmitteln (Düngemittel, Saatgut, Pflanzenschutz, Energie) und Aufbau robuster Lieferketten.
  • Förderung von Forschung, Züchtung, Digitalisierung sowie Precision- und Smart-Farming.
  • Kohärente Abstimmung innerhalb der EU zur Vermeidung widersprüchlicher Zielsetzungen.

„Made in Europe“ darf nicht bei der Industrie enden – wer Europa ernähren will, braucht eine starke Landwirtschaft als Teil der strategischen Autonomie, besonders in Schlüsselregionen wie Brandenburg.

Regionale Wertschöpfung für starke ländliche Räume

  • Regionale Ernährungssicherung als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge
  • Verbindung von Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung für nachhaltige Investitionen
  • Investitionsoffensive starten: Mehr planbare Finanzmittel, schlanke Verfahren und niedrige Hürden für Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette
  • Ausbau des Qualitätszeichens Brandenburg als strategisches Marktinstrument: verbindliche Berücksichtigung in öffentlichen Ausschreibungen, Verwaltungsabkommen mit Berlin, Nutzung in Landeskantinen
  • Berücksichtigung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen ökologischer und konventioneller Erzeugung

Nachwuchs und Innovation

  • Sicherung qualifizierter Nachwuchskräfte für Innovationskraft und Betriebserhalt
  • Kompetenzzentrum Nutztierhaltung als Wissenspool für Beratung und Forschung
  • Förderung überbetrieblicher Ausbildung, Führerscheine ab 16, eigenständiger Studiengang Agrarwissenschaften an der BTU Cottbus-Senftenberg, Weiterbildungsprogramme für Betriebsleiter und Mitarbeitende vor allem an der Heimvolkshochschule
  • Förderung der ländlichen und landwirtschaftlichen Jugendorganisationen verstetigen

Naturschutz praxisnah gestalten

  • Ökologische Maßnahmen sollen Produktion unterstützen und Synergien mit Biodiversität schaffen

  • Vereinfachte Entschädigungsmechanismen für Schäden durch geschützte Arten
  • Naturschutzauflagen praxisgerecht gestalten

Eine starke Stimme für Brandenburgs Landwirtschaft
Ein anerkannter Landwirtschaftsverband ist essenziell, um die Interessen der brandenburgischen Betriebe in Politik und Verwaltung durchzusetzen - von Potsdam bis Brüssel. Verbindliche Beteiligungsrechte

  • Mitgestaltung agrarpolitischer Rahmenbedingungen: Aktive Mitsprache bei Gesetzen und Verordnungen mit landwirtschaftlichem Bezug.
  • Finanzielle Anerkennung: IHK-Beitragsentlastung für Mitglieder als Ausgleich für ihr Engagement.
    Diese Rechte müssen gesetzlich verankert werden, um die Handlungsfähigkeit der Verbände langfristig zu sichern und politische Ausgrenzung zu verhindern.

è Brandenburgs Rolle in „Made in Europe"

Brandenburg kann sein Potenzial als Herzstück von „Made in Europe“ nur dann voll entfalten, wenn Politik, Verwaltung und Betriebe jetzt konsequent handeln. Die Basis dafür bilden ein modernes Agrarbodenrecht, verlässliche Agrarförderung, eine praxisnahe Naturschutzpolitik sowie digitale Verwaltungsstrukturen, die effizientes Arbeiten ermöglichen. Gleichzeitig muss in die Ausbildung, den Nachwuchs und die Innovationskraft der Betriebe investiert werden, um die wirtschaftliche Resilienz, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.
Brandenburg handelt – damit Europa ernährt wird:

Flächen sichern. Investieren. Digitalisieren. Ausbilden. Produzieren.
„Made in Brandenburg“ wird so zum Motor von „Made in Europe“: zur strategischen Säule für Ernährungssouveränität, ökonomische Stabilität und nachhaltige Landwirtschaft in der Europäischen Union.

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