Zwischen Freude und Frust: Ernteauftakt in Brandenburg
„Als Landwirte schauen wir auf erfreulich gut dastehende Bestände, als Unternehmer jedoch auf denkbar schlechte Rahmenbedingungen für die Ernte in diesem Jahr“, eröffnet Christoph Plass, Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, seine Prognose zur bundesweit angelaufenen Getreideernte 2026.
„Die Relation zwischen den Ausgaben für Betriebsmittel, Energie, Personalkosten und den Erzeugerpreisen im Ackerbau und in der Tierwirtschaft hat sich massiv zu Lasten der Landwirtschaft verschlechtert“, stellt Plass fest. „Die Preise allein für Stickstoffdünger stiegen seit der Sperrung der Straße von Hormus um bis zu 60 Prozent, während die Erzeugerpreise diesem Anstieg nicht annähernd folgten! Ob wir mit der voraussichtlich guten Ernte in diesem Jahr auch schwarze Zahlen auf den Betrieben schreiben, ist erschreckend ungewiss und führt zu großer Planungsunsicherheit auf den Betrieben.“
Dennoch ist in der letzten Juniwoche vor allem in den südlichen Regionen des Landes die Ernte der Wintergerste mit guten Erträgen zwischen 50 und 70 Dezitonnen pro Hektar erfolgreich gestartet und wird derzeit flächendeckend fortgesetzt. Gute Aussaatbedingungen im Herbst des vergangenen Jahres mit milden Temperaturen und ausreichend Niederschlägen beförderten eine gute Jugendentwicklung der Bestände, denen ein strammer Winter mit anhaltenden Frostperioden eine relativ lange Vegetationsruhe bescherte. Entsprechend knapp bemessen war das Zeitfenster für die Frühjahrsbestellung, da die bis zu 20 cm tief gefrorenen Böden erst wieder befahrbar werden mussten. Nach Berücksichtigung der regional unterschiedlichen Niederschlagsverhältnisse im Frühjahr erwartet der Landesbauernverband für die Hauptkulturen Weizen, Gerste, Roggen ein insgesamt durchschnittliches Ernteergebnis 2026.
Die klassischen Brandenburger Getreide – Weizen, Gerste, Roggen sowie auf kleineren Flächen Hafer, Dinkel und Körnermais einschließlich Corn-Cob-Mix – wachsen in diesem Jahr auf insgesamt 478.400 Hektar, 1.900 ha weniger als im Vorjahr. Roggen als typische Brandenburger Kultur wächst mit 124.100 Hektar auf der bislang kleinsten Anbaufläche seit der Wiedervereinigung. Christoph Plass erläutert:
„Die Fördermechanismen in der Gemeinsamen Agrarpolitik für mehr Nachhaltigkeit auf dem Acker wirken sich auch auf unsere Anbauplanung aus. Bei der Umsetzung vielfältiger Fruchtfolgen reduziert sich automatisch die Fläche für den Roggen. Aber auch die Nachfrage der Bevölkerung nach dem guten dunklen Roggenbrot ist leider gesunken, sodass die Mühlen weniger Backroggen abkaufen.“
Positiv sei wiederum die Entwicklung im Eigenanbau von Futtererbsen und auch Soja als wertvolle Eiweißpflanzen für die Tierfütterung. Futtererbsen erreichen mit 20.200 ha die größte Anbaufläche seit Jahren, während die Erträge jedoch zwischen 15 und 35 Tonnen pro Hektar regional unterschiedlich ausfallen werden. Sojabohnen wachsen weiter und erreichen mit 3.000 ha einen neuen Rekordwert. Der Kreuzblütler Raps leidet unter der Fressgier der Larven der Kohlschotenmücke und wird voraussichtlich mit niedrigeren Erträgen von nur 25- 30 Tonnen aufwarten. Stiefkinder bleiben die Hackfrüchte Kartoffeln und Zuckerrüben mit historisch kleinen Anbauflächen. Große Sorge bereitet zudem aktuell das verstärkte Auftreten der Schilf-Glasflügelzikade in Kartoffeln und Zuckerrüben, vor allem im Landkreis Märkisch-Oderland, in dem am Montag ein Warndienstaufruf zur Bekämpfung der Zikaden erteilt wurde. „Hier fordern wir schnelle und unbürokratische Ausnahmegenehmigungen, denn die Zikade kann eine bakterielle Welke übertragen und stellt damit ein erhebliches Risiko für Ertrag und Qualität von Kartoffeln und Zuckerrüben dar“, betont Plass.
„Pflanzen nähren und schützen, um beste Ausgangsstoffe für unsere Lebens- und Futtermittel zu erzeugen, das ist unser Kerngeschäft, nicht aber der ständige Kampf mit Politik, Verwaltung, mit unausgereiften Apps und mit den Folgen der realitätsfernen Regelungswut der EU-Kommission“, bringt Christoph Plass es auf den Punkt. „Unsere Forderung richtet sich daher an Land, Bund und EU gleichermaßen, jetzt die Zeit der Ernte konstruktiv zu nutzen, um die bestmöglichen Rahmenbedingungen für eine sichere heimische Versorgung durch gut aufgestellte Betriebe zu schaffen.“
Zwischen Freude und Frust: Ernteauftakt in Brandenburg