22.04.2026 Aktuelles Agrar- & Verbandspolitik ca. 2 Min. Lesezeit

Win-Win-Situation bei Vorhaben der Wiedervernässung von Mooren ist unser Ziel

Nahaufnahme Vegetation eines Moors

Win-Win-Situation bei Vorhaben der Wiedervernässung von Mooren ist unser Ziel

 Zur kürzlich veröffentlichten ‚Palu‘-Richtlinie des Bundes zur Förderung von Maßnahmen der Wiedervernässung äußert sich Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, wie folgt:
 
„Wir reden von Ergebnissen, die wahrscheinlich nicht mehr umkehrbar sind. Die oft genannten Paludi-Kulturen, die hier als potenzielles Erfolgsprodukt promotet werden, sind keine Lebensmittel und müssen sich als ein erfolgreiches Glied in Wertschöpfungsketten erst noch beweisen. Gleichzeitig erkennen wir noch zahlreiche Zielkonflikte, da die Auswirkungen der Anstauungen von Wasser an Grundstücksgrenzen nicht Halt machen oder bisher gewollte und geschützte Biotope buchstäblich im Wasser versinken. Mit dem im Jahr 2023 im Moorschutzplan des Landes Brandenburg veröffentlichten Ziel einer Anstauung von Wasser bis zu 30 cm unter der Flur, sind wir daher näher an einer Win-Win-Situation zwischen Klimaschutz und Ernährungssicherung dran.“ Brandenburgs Landwirte würden die wertvolle Klimaleistung der Moore anerkennen und hätten damit bereits einen praktikablen Kompromiss zwischen Klimazielen und ökonomischen als auch agrarstrukturellen Folgen erarbeitet.
 
Im Unterschied zu früheren Ansätzen von Moorschutzprogrammen sieht der Landesbauernverband Brandenburg jedoch auch Fortschritte:
 
Das hohe Prinzip der Freiwilligkeit bleibt erhalten. Für Betriebe, die ihre Niedermoorstandorte nicht mehr traditionell nutzen, kann die geförderte Moorbewirtschaftung eine ergänzende Einkommensquelle sein.
Erstmals werden Flächeneigentümer, Wasser- und Bodenverbände sowie Flächenbewirtschafter gleichzeitig angesprochen und können jeweils individuell erarbeitete Fördermodule in Anspruch nehmen.
In die Förderung einbegriffen ist eine Kompensation des Wertverlustes von land- und forstwirtschaftlichen Flächen infolge der Wiedervernässung.
 
Auf der anderen Seite verbirgt sich hinter den Förderanreizen und den verschiedenen, auffällig unkomplizierten Hebeln für den Erwerb von landwirtschaftlicher Nutzfläche zum Zwecke der Wiedervernässung auch eine staatlich gewollte und geförderte Abkehr von der landwirtschaftlichen Urerzeugung, die tief nachdenklich stimmen sollte.
Auch stehen die kurzen Förderzeiträume sowie die begrenzten Fördermittel des Programms nicht im Verhältnis zur Dauerhaftigkeit und zur Endgültigkeit der Maßnahmen. Nachfolgende Generationen erben unproduktive Moorstandorte, statt fruchtbares Grünland für die Ernährungssicherung.
 
Wendorff: „Die Frage, wo zukünftig die Lebensmittel für Deutschland erzeugt werden, muss man sich deutlicher denn je stellen.“