19.06.2026 Aktuelles Agrar- & Verbandspolitik ca. 3 Min. Lesezeit

Frustration und drohende Resignation in der Landwirtschaft

Vorstand LBV Brandenburg

Frustration und drohende Resignation in der Landwirtschaft – Vorstandsklausur des Landesbauernverbands endet mit Weckruf an Politik

„Wachen Sie auf, der Landwirtschaft geht es nicht gut!“, sendet im Superwahljahr 2026 der Vorstand des Landesbauernverbandes von seiner Klausurtagung einen Weckruf an die Politik. Kurz vor Beginn der Erntesaison befinden sich Brandenburgs Landwirte in einer Situation des höchsten wirtschaftlichen Risikos, während essenzielle Zukunftsfragen ungeklärt sind.
 
Auf europäischer Ebene sägt EU-Kommissar Christophe Hansen mit populistischen Schaubildern an den nachhaltigen, effizienten und vielfältigen Betriebsstrukturen in Brandenburg. Hierzu betont LBV-Präsident Wendorff: „Wenn Kommissar Hansen seine Pläne von Kappung und Degression verwirklicht, wäre das das Ende unserer Landwirtschaft in Brandenburg, wie wir sie in 35 Jahren aufgebaut haben. Unsere Politiker sind aufgefordert, dies zu verhindern.“
 
Derzeit wenig diskutiert werden zudem mögliche Folgen eines EU-Beitritts der Ukraine für die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik. LBV-Präsident Wendorff: „Ein EU-Beitritt würde die Gemeinsame Agrarpolitik der EU vor nahezu unlösbare Probleme stellen. Die Ukraine ist ein Agrarriese globalen Ausmaßes. Die Bedingungen im europäischen Binnenmarkt für die Brandenburger Landwirtschaft würden sich durch einen vorschnellen EU-Beitritt der Ukraine extrem verschärfen.“
 
Mit Blick auf die Bundesebene sorgt der Beschluss des Bundesrats zur Überarbeitung des Düngerechts für Unverständnis. Jede Hoffnung auf eine Herstellung der Verursachergerechtigkeit bei Nitratbelastungen im Grundwasser werden damit zunichte gemacht. Bei der verpflichtenden Anwendung der umstrittenen Stickstoff-Argon-Methode würden statt bisher 5% künftig 40% der Brandenburger Bauern nicht mehr ausreichend düngen dürfen. Bei der Stickstoff-Argon-Methode wird eine fiktive Grundwasserbelastung mit Nitrat ermittelt, die de facto gar nicht existiert. LBV-Präsident Wendorff: „Das versteht kein Mensch. Gerade in Zeiten des Bürokratieabbaus ist diese völlig unnötige Regelung ein Unding!“
 
Auf Landesebene stellt der Verband fest: Noch immer keine Richtlinie für einzelbetriebliche Investitionen in den Landwirtschaftsbetrieben, noch immer keine Nutztierstrategie für das tierärmste Bundesland Brandenburg und noch keine Antwort auf die Fragen im Umgang mit den um sich greifenden Wildvogelschäden.
 
Im Rahmen seiner zweitägigen Klausur hatte der Vorstand des Landesbauernverbandes Brandenburg die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in der Brandenburger Landwirtschaft analysiert und eine hohe Diskrepanz zwischen der Lage und Stimmung auf den Betrieben und der politischen Aufmerksamkeit dafür festgestellt. Die Mitglieder des Vorstandes leiten daraus erheblichen politischen Sprengstoff ab. Im September stehen zwei weitere Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern an, bei denen sich weitere politische Verwerfungen abzeichnen. Im Namen von Brandenburgs Bauern appelliert Henrik Wendorff daher an die Politik:
 
„Wachen Sie auf und kümmern Sie sich um den landwirtschaftlichen Sektor als systemrelevanten Bestandteil der Wirtschaftspolitik!“