27.08.2026 Aktuelles Agrar- & Verbandspolitik, Pflanzenbau & Umwelt ca. 4 Min. Lesezeit

Erntebilanz 2026 des Landesbauernverbandes Brandenburg

Landesbauernverband Brandenburg e.V.

Erntebilanz 2026 des Landesbauernverbandes Brandenburg –
Wendorff: „Normale Ernten reichen nicht für schwarze Zahlen auf dem Konto“

Leichtes Plus
Mit rund 2,3 Millionen Tonnen Getreide fuhren Brandenburgs Bauern ein leichtes Plus von sechs Prozent im Vergleich zur Erntemenge des Vorjahres ein (2025: 2,2 Millionen Tonnen) ein. Brandenburg hält damit sein 5-Jahres-Mittel von 2,3 Millionen Tonnen. Das Ernteergebnis hebt sich aus der gesamtdeutschen Situation heraus: Bundesweit waren die Erträge als Folge ungewöhnlich langanhaltender, heißer und niederschlagsarmer Perioden im Süden Deutschlands um bis zu 9 Prozent zurückgegangen.
 
Klimaanpassungen wirken
Brandenburg wurde von den Extremwetterereignissen, die den Berufskollegen im Südwesten Deutschlands zu schaffen machten, zum Teil verschont. Wenige, jedoch ergiebige Niederschläge im April, Mai und Juni kamen noch zur rechten Zeit und trieben eine normale Pflanzenentwicklung voran. Zudem zahlten die produktionsintegrierten Maßnahmen des klimaangepassten Ackerbaus, die Brandenburgs Landwirte spätestens seit den Dürrejahren 2003 und 2018 anwenden, auf die Ertragsstabilität ein.
 
Bereits im Juni starteten die Betriebe in eine vielversprechende Ernte der Gerste als erste Kultur, die gedroschen wird. Die Hitzewelle, die zu diesem Zeitpunkt auch Brandenburg erreichte, brachte gleichzeitig den Weizen in eine Notreife. Die Betriebe ernteten diesen unter Zeitdruck, um ihre wichtigste Marktfrucht in Backqualität vom Halm zu holen. Denn jeder Qualitätsverlust in den Kulturen führt zu hohen Abschlägen beim Verkaufspreis, der bereits seit der Herbstbestellung unter starkem Druck steht.
 
Henrik Wendorff:
„Wir konnten zusehen, wie uns der Weizen bei Temperaturen von 40 Grad regelrecht auf dem Halm abstarb. Solche Extreme sind selbst bei einer an das Klima angepassten Bewirtschaftung nicht abzupuffern. Die derzeitigen Verkaufspreise bremsen uns gleichzeitig in der Weiterentwicklung von Strategien. Das wirft uns im global geprägten Wettbewerb zurück.“
 
Dr. Klaus Henschel, Präsident des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg:
„Die Hitze hat Beeren- und Obstkulturen regional sehr unterschiedlich getroffen – teilweise wurden Früchte direkt an der Pflanze geschädigt. Wo ausreichend bewässert werden konnte und die Temperaturen nachts wieder deutlich zurückgingen, haben die Bestände die Hitze dagegen vergleichsweise gut überstanden. Bei Erdbeeren dauerte es nach der Hitzeperiode teilweise rund zehn Tage, bis sich die Bestände wieder normalisiert hatten.“
Beim Apfel bereiten den Betrieben derzeit vor allem die niedrigen Erzeugerpreise Sorgen. Teilweise reichen sie nicht aus, um die gestiegenen Produktionskosten zu decken. Hinzu kommen noch Bestände aus der Ernte 2025, die in Erwartung einer besseren Preisentwicklung länger eingelagert wurden und nun zusätzlich auf den Markt drücken.
 
Absturz einer Cashcow
Während die klassischen Marktfrüchte Weizen, Roggen und Gerste mit stabilen Erntemengen aufwarteten (Weizen: 6,2 Tonnen/Hektar; Roggen: 4,3 Tonnen/Hektar; Gerste: 6,6 Tonnen/Hektar), stürzte Raps als hochwertige Ölfrucht und wichtige Cashcow auf den Betrieben in ein tiefes Tal. Nur 2,1 Tonnen/Hektar wurden geerntet. 2,74 Tonnen/Hektar wurden noch im letzten Jahr in die Lager gebracht – dabei galt 2025 bereits als das schlechteste Raps-Jahr seit 30 Jahren. Die Gründe liegen im zunehmend starken Schädlingsbefall des Kreuzblütlers.
 
Kosten verschlingen Erlöse
Infolge des Irankrieges und der Blockade der Straße von Hormus im Februar dieses Jahres schnellten die Preise für nicht ersetzbare Betriebsmittel wie Treibstoff und Dünger in die Höhe und sind bis heute auf sehr hohem Niveau. Seit 2020 ist der Preisindex für Betriebsmittel um 36 Prozent gestiegen, während gleichzeitig die Erzeugerpreise dieser Entwicklung nicht folgten.
 
Henrik Wendorff:
„Wir haben eine Situation, dass eine normale Brandenburger Ernte wie in diesem Jahr nicht mehr für schwarze Zahlen auf dem Konto ausreicht. Die Kosten für Dünger, Diesel, Saatgut, Pflanzenschutz, Logistik, Löhne passen nicht mehr zu den Erzeugerpreisen.“
Wir fordern daher gemeinsam mit unseren Kollegen in ganz Deutschland vor allem zur Sicherung der Liquidität auf den Betrieben: 

  • zügige Auszahlung und nationale Aufstockung der europäischen Düngerhilfen;
  • vollständige Auszahlung der europäischen Fördergelder insbesondere der Mittel zur Einkommenssicherung und für ökologische Leistungen Anfang Dezember 2026;
  • Absenkung der Besteuerung von Dieselkraftstoff;
  • die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichrücklage.“

Der Landesbauernverband bilanziert zusammenfassend: Brandenburgs Landwirtschaftsbetriebe haben geliefert. Die Politik muss nun an den Rahmenbedingungen arbeiten, damit das so bleibt.