„Landwirte sind Wasserwirte!“
Landesbauernverband veröffentlicht Forderungspapier für ein klimaresilientes Wassermanagement in der Landwirtschaft
Mit seinem Papier „Forderungen für unser Wasser – Ernährung sichern, Lebensgrundlagen erhalten“ veröffentlicht der Landesbauernverband heute 20 zukunftsweisende Vorschläge für ein klimaresilientes Wassermanagement in der Landwirtschaft. Damit einher geht die dringend notwendige Neubewertung der Landwirtschaft als der Sektor, der Wasser für die Erzeugung von Lebensmitteln nutzt, gleichzeitig jedoch auch die Neubildung von Grundwasser ermöglicht und Wasser im Kreislauf hält.
Die „20 Forderungen für unser Wasser“ sind im intensiven fachlichen Austausch mit Mitgliedsbetrieben des Verbandes erarbeitet worden, die ihre Kulturen für die Qualitätssicherung von frischem Obst, Gemüse oder Kartoffeln bewässern müssen oder Wasser für die Tierhaltung benötigen. Das Papier ist daher der reflektierte Beitrag des Berufsstandes in der aktuellen Debatte um die Ausgestaltung der Novelle eines Brandenburger Wassergesetzes, welches die Leistungen der Landwirtschaft für Wasserrückhalt, Wasserspeicherung und Wasserneubildung berücksichtigen und mit dem Part der landwirtschaftlichen Wassernutzung in Waage bringen soll.
„Im öffentlichen Diskurs wird zu wenig berücksichtigt, dass das von uns genutzte Wasser am Ende in wertvollen Lebensmitteln enthalten ist, welche nicht importiert werden müssen.“, erläutert LBV-Präsident Henrik Wendorff die Sichtweise der Landwirtschaft. „Brandenburgs Landwirte sind Wasserwirte! Offene Ackerflächen bieten ideale Bedingungen für die Grundwasserneubildung. Steigende Temperaturen und teils länger anhaltende Dürreperioden als Folgen des Klimawandels nehmen zu. Das spüren wir Landwirte als erste. Ziel des neuen Wassergesetzes muss es daher sein, die Voraussetzungen für die zweiseitige Wasserregulierung zu schaffen, um auf extreme Wetterereignisse reagieren zu können und die zahlreichen Möglichkeiten des betrieblichen Wasserrückhalts zu stärken. Nicht zielführend ist dagegen eine überzogene Verteuerung des Wassers für die Brandenburger Landwirtschaft, die sich einem Wettbewerb des Angebots an Obst, Gemüse und Kartoffeln aus anderen Regionen der Welt stellen muss, bei denen der Schutz der Ressource Wasser nicht eingepreist ist.“
Die drei zentralen Forderungen des Berufsstandes für ein zukunftsfähiges Brandenburger Wassergesetz sind daher:
- Es müssen die rechtlichen Grundlagen für eine intakte Wasseranlagen-Infrastruktur als Voraussetzung für die zweiseitige Wasserregulierung in der Fläche geschaffen werden. Wasser muss bei Starkregenereignissen abfließen und in Phasen von Trockenheit in der Fläche gehalten werden können.
- Keine überzogene Erhöhung der Wassernutzungsentgelte angesichts der wirtschaftlichen Situation der Betriebe, die in diesem Jahr äußerst prekär ist! Steigenden Kosten bei Betriebsmitteln stehen stagnierende bis sinkende Erzeugerpreise gegenüber.
- Für die vielfältigen Möglichkeiten des betrieblichen Wasserrückhalts müssen Rechts- und Investitionssicherheit geschaffen werden. Regenwasser, Hofwasser und geeignetes Brauchwasser können für viele betriebliche Zwecke ausreichen, ohne dass Trinkwasserqualität erforderlich ist.
Das vollständige Forderungspapier finden Sie in der Anlage.
Hintergrund:
In der Landwirtschaft kann die gezielte Bewässerung helfen, auch in Perioden anhaltender Trockenheit und hoher Temperaturen gute Erträge zu realisieren. 2022 wurden rund 30.900 Hektar der gut 1,3 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) im Freiland bewässert. Das entspricht 2,4 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Brandenburg liegt damit weit unter dem Bundesschnitt von 3,3 %. Auf ca. einem Viertel dieser Fläche wird die wassersparende Tröpfchenbewässerung angewandt. Der Großteil der Bewässerung erfolgt mit digital steuerbaren Sprinkleranlagen. Beregnungswasser wird dem Grundwasser aus dafür angelegten Brunnen entnommen. Vor allem die Kulturen im Obst- und Gemüseanbau wie Gurken, Erdbeeren und Spargel, aber auch Kartoffeln benötigen zusätzliche Bewässerung. Ihr Anbau in Brandenburg ist jedoch zugleich Markenzeichen des Landes und Wertschöpfung für die Region.