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Die Uckermark
 


Kornkammer und reizvolles Naturidyllim Brandenburger Norden


»Wat is’t för’n Land! Böm an de Kant, Eeken ind’ Heid, Veh up de Weid. Schön is un stolt un stark – uns leew oll Uckermark, uns leew oll Uckermark.« – Schon die erste Strophe des Uckermarker-Liedes von Max Lindow (Text) und Martin Fischer (Musik) kann eine gewisse Zwitter­stellung des nordöstlichsten Landkreises Brandenburgs nicht verhehlen: Unverkennbar ist die Verwandtschaft des urtümlichen ländlichen Idioms mit dem Mecklenburger Platt. Doch würde sich wohl kein echter Uckermärker ohne heftige Gegenwehr als Mecklenburger bezeichnen lassen! Zu eigenständig ist das traditionelle Agrargebiet, voller Selbstbehauptungswillen sind seine ländlichen Bewohner.

Wie eine etwas zerbeulte altpreußische Pickelhaube sitzt der heutige Großkreis Uckermark auf der Karte dem Land Brandenburg obenauf. Und beinahe symbolisch ist die »wehrhafte« Spitze mit den Gemarkungen Milow, Wilsickow und Wismar – zwischen Pasewalk und Strasburg hindurch – gen Mecklenburg-Vorpommern gerichtet. Als wollte sie bekräf­tigen: »Wir sind wieder in der Heimat angekommen, und so soll es nun auch bleiben!« Denn zu DDR-Zeiten hatte man die Altkreise Prenzlau und Templin – das eigentliche Stammgebiet der Uckermark – dem Bezirk ­Neubrandenburg zugeschlagen. Nach der Territorialreform 1993 bilden sie nun zusammen mit dem ehemaligen Kreis Angermünde sowie der kreisfreien Stadt Schwedt, nach Einwohnern die größte der ganzen Re­gion, den neuen Landkreis Uckermark mit der Kreisstadt Prenzlau und zwölf Amtsbereichen.


Größter Landkreis in ganz Deutschland


Bei einer mit durchschnittlich 52 Einwohnern je Quadratkilometer geringen Bevölkerungsdichte handelt es sich heute der Fläche nach (3.058 Quadratkilometer) um den größten Landkreis der ganzen Bundesrepublik – er ist um ein Fünftel größer als das Saarland. Seine landschaftliche Vielfalt ist geradezu einzigartig: Vorwiegend westlich der Achse Prenzlau-Angermünde findet sich – konzentriert um Templin, dem gewässerreichsten Gebiet – eine von Seen geradezu wimmelnde, zudem waldreiche ­Region mit dem Naturpark »Uckermärkische Seen«. Die Gebiete um ­Fürstenwerder, Boitzenburg, Lychen und Templin bis hin nach Prenzlau und Angermünde schließen organisch an die Mecklenburger Seenplatte an. Mehr als 400 Seen zählt man im gesamten Landkreis. Ein welliges, von der letzten Eiszeit ausgeschürftes oder von den Gletschern auf Moränen aufgehäuftes Land, das auch diesbezüglich die Verwandtschaft mit dem nördlichen Nachbarn bezeugt. Je weiter nach Norden man kommt, desto hängiger werden die Endmoränen-Berge, ­desto lehmiger und fruchtbarer werden aber auch die Äcker.

Östlich der Uecker mit dem prächtigen Unter- und Oberucker-see sowie nach Süden hin wird die Uckermark sanfthügelig, zur Oder hin ­flacher. Die Böden werden immer leichter und sorgen mit dafür, daß der mittlere Bodenwert des Landkreises 40 Bodenpunkte nicht überschreitet. Ganz im Süden breiten sich die weitläufigen Wälder und Streuwiesen der Schorfheide in der Region aus, die weit in den Barnim hin­einreicht.

Hier hat sich über die Jahrhunderte ein riesiges Refugium an Laub- und Mischwäldern, durchsetzt von Seen, Sümpfen und Auen, erhalten. Neben einem reichen Bestand an jagdbarem Wild finden sich viele schützenswerte Pflanzen und Tiere. Die Schorfheide zählt zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Europas. Seit alters her stillten hier die Mächtigen und Reichen ihre Jagdgelüste – angefangen bei den brandenburgischen Fürsten und späteren preußischen Königen über den Kaiser, die Blut- und Bodenherrscher des 3. Reiches, die Größen der DDR-Ära bis zu den Gutbetuchten unserer Tage. Diese einmalige Landschaft ist seit 1990 Biosphärenreservat.


Unteres Odertal ist jüngster Nationalpark

Schafe an der Oder
Die Schafe erweisen sich auch entlang der Oder als geeignete Landschaftspfleger. Sie halten den Aufwuchs kurz und sorgen für feste Deiche. Auf den alljährlich überfluteten Wiesen und Weiden haben sich seltene Pflanzen angesiedelt.

Durch viele feuchte Niederungen zeichnen sich die Gebiete östlich der Autobahn A 11 um die Flüßchen Randow und Welse im früheren Kreis Angermünde aus. Dies ist jene Gegend, in welcher der aus Biesenbrow stammende Schriftsteller Ehm Welk seine weithin bekannten »Heiden von Kummerow« agieren ließ, in häufig skurrilen Geschichten voller ländlicher Poesie und Bauernschläue. Der Randowbruch im Norden weist noch immer naturnahe Landschaft mit vielfach dichtem Erlen- und Weidengehölz auf.

Ganz im Osten endet der Landkreis Uckermark an der Oder, die die Staatsgrenze zu Polen bildet. Naturnähe trifft für diesen Landstrich in besonderem Maße zu: Hier hat sich links und rechts des Stromes eine überaus interessante, nach Flora und Fauna sehr artenreiche Auenlandschaft von mehreren Kilometern Breite herausgebildet, die von vielen Altarmen der Oder durchzogen wird. Nach der politischen Wende wurde das Un­tere Odertal zum jüngsten von 13 deutschen Nationalparks erklärt. Er ist Bestandteil eines einzigartigen deutsch-polnischen Naturschutzprojekts, das auf über 60 km Länge entlang des Flußbettes verwirklicht werden soll: Von Hohensaaten über Schwedt und Gartz im Landkreis Uckermark, und weiter auf polnischer Seite bis nach Szczecin.

Rübenanbau
Der nördliche Teil der Uckermark mit seinen lehmigen Böden wird genutzt, um vor allem Getreide, Raps und Zuckerrüben anzubauen. Wegen der guten Erträge und der Quotierung mußte der Rübenanbau reduziert werden.

Weil infolge der Grenzziehung nach Kriegsende 1945 die Oder hier nicht mehr verbaut wurde (wie weiter südlich schon lange vorher geschehen), weil überdies alte Schöpfwerke und Polder verfielen, fand eine weitgehende Renaturierung statt: Auf den vom Oder-Hochwasser alljährlich überfluteten Wiesen und Weiden siedelten sich zahlreiche seltene Pflanzen an, bildeten sich große Auenwälder und Moore heraus. Im Sommerhalbjahr bunt blühende Trockenrasenflächen an den Uferhängen stehen dazu in reizvollem Kontrast. Das Untere Odertal ist heute Brutgebiet für mehr als 120 Vogelarten. Etwa ein Zehntel des 10.500 Hektar großen Schutzgebietes wurde bereits als Totalreservat ausgewiesen.

Fruchtbare Lehmäcker im Norden

Tabakanbau
Auf den mineralreichen Böden um Schwedt gedeiht eine Kultur, deren Anbau zwar sehr aufwendig ist, jedoch bei Vertragsabschluss dem Landwirt eine Abnahme- und Preisgarantie sichert: der Tabak. Die Erzeuger bilden eine Gemeinschaft.

Aus all dem wird ersichtlich, daß große Teile des Landkreises Uckermark für den Landwirt nur eingeschränkt nutzbar sind. 59 Prozent der 3.058 Quadratkilometer großen Kreisfläche werden landwirtschaftlich genutzt (181.345 ha LF mit durchschnittlich 40 Bodenpunkten; davon 83,5 Prozent Ackerland); 22 Prozent der Kreisfläche nehmen Wälder (ein Zehntel davon die Schorfheide) und fünf Prozent die Gewässer ein – aber immerhin 54 Prozent des gesamten Kreises sind als Landschafts- und ­Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Dennoch: Zumindest der fruchtbarere nördliche Teil der Uckermark mit seinen Lehmböden – überwiegend identisch mit dem Altkreis Prenzlau – gilt als die Kornkammer Brandenburgs, wo vor allem Weizen, Wintergerste, Raps und Zuckerrüben gedeihen. Auf den leichten Böden im Süden wird neben Futterkulturen vorrangig Roggen erzeugt. Eine ­Besonderheit auf den mineralreichen Böden um Schwedt ist der dort ­traditionelle Tabakanbau. In Vierraden ist der größte deutsche Erzeugerbetrieb dieser Sonderkultur angesiedelt.

Tabakanbau
Der Tabakanbau ist für Betriebe wie die Milgeta GmbH Vierraden ein wichtiger Produktionszweig. Hier stehen über 40 Hektar in Kultur.

Die gute Ertragsfähigkeit der Böden im Norden wird dadurch verdeutlicht, daß im Landkreis Uckermark mit einer Winterweizen-Anbau­fläche von knapp 34.500 Hektar über 33 Prozent sowie mit Zuckerrüben auf etwa 5.100 Hektar rund 40,5 Prozent des gesamten Anbaus der Mark Brandenburg konzentriert sind. Zudem liegen die Erträge weit über dem Landesdurchschnitt: So wurden 1998 im Kreismittel bei Getreide 60,5 dt/ha (darunter bei Winterweizen 64,4 dt/ha) und bei Winterraps 33,0 dt/ha ­geerntet. Bei Zuckerrüben waren es 1997 um 480 dt/ha.

Starke Schwankungen bei Anbau und Fruchtfolge

Lämmermast GbR
Schäfer aus Leidenschaft ist Fred Bauer aus Zützen. Gemeinsam mit seinem Bruder André betreibt er die Lämmermast GbR. Eine preiswerte Konstruktion aus Folie und Stahl ber dem Horizontalsilo schützt die Tiere im Winter und sorgt für Licht und Luft.

Die Statistiken der letzten Jahre weisen für den Landkreis ständige Schwankungen der Anbauflächen für die einzelnen Kulturen aus, die überdies zu nicht geringen Problemen bei Fruchtfolgegestaltung, Saatgutbeschaffung oder Kauf und Auslastung von Bestell- und Erntetechnik führten. Dies ist die Folge sich oft rasch verändernder agrarpolitischer Rahmenbedingungen und der Marktverhältnisse (Pflichtstillegung, ­Zucker­rübenquote, Ölsaatenbegrenzung, leicht zurückgehender Futter­anbau infolge von Milchquote und gesunkener Rindfleischpreise).

Beispielsweise mußte der Zuckerrübenanbau nach sehr guten Erträgen 1996 gedrosselt werden. Der Anbau von Winterraps, der 1994 im Landkreis Uckermark fast 23.000 ha erreichte, sank bis 1996 auf unter 5.000 und stieg bis 1998 wieder auf 11.650 ha an. Bei wesentlich geringerem Anbau waren die Verhältnisse bei Sommer- und Erucaraps ähnlich, während Sonnenblumen von 6.800 (1994) radikal auf 165 ha fielen. Öllein hingegen kletterte bei günstigen Marktbedingungen und gutem Ertragspotential in der Uckermark steil von 155 (1994) auf rund 3.000 ha.

Laubenhaus
Nur knapp 300 Einwohner zählt das süduckermärkische Lüdersdorf. Dafür kann der Ort etwas vorweisen, was für die Oderbruchregion mittelrweile rar geworden ist: das Laubenhaus, auf plattdeutsch "Lowewinghus" genannt. In Lüdersdorf befinden sich gleich zwei dieser Fachwerkhäuser, deren Gibel mit einem Laubengang ausgestattet sind.

Nach Änderung der Stützungsregelungen und gedrosseltem Absatzpotential (Endabnehmerverträge) hat sich der Anbau von Faserlein, der 1994 schon mal bei über 2.000 ha lag, auf nur noch 60 ha »einge­pegelt«, während er sich bei Hanf nach dem Aufbau zweier Erstaufbereitungsanlagen in Prenzlau und Zehdenick von Null auf nunmehr 110 ha erhöhte. Bei beiden Kulturen erreicht die Uckermark die höchste Bruttoproduktion im Land Brandenburg.


Von der Drosselung anderer Kulturen und vom Absenken der Pflichtstillegung auf fünf Prozent (1997) hat vor allem der Getreidean-bau profitiert. Körner- und Silomais einbezogen, wurden 1997 im Landkreis erstmals mehr als 100.000 ha Anbaufläche erreicht. Einen stetigen Zuwachs im Verhältnis zu anderen Getreidearten erfuhr dabei Triticale, ohne die Dominanz von Weizen, Gerste und Roggen annähernd zu ­Â»gefährden«.


Rinderbesatz für Region zu gering


Je nach Produktionsrichtung hat sich auch die Situation in den viehhaltenden Betrieben sehr unterschiedlich entwickelt. Infolge des ­politischen Umbruchs gingen die Tierbestände drastisch zurück. Vielerorts ist der Viehbesatz je Flächeneinheit heute zu gering, um einen ausgewogenen landwirtschaftlichen Reproduktionskreislauf zu gewährleisten. Das Ausmaß belegt folgender Überblick über die Bestandsentwicklung seit 1989 (Tiere je 100 ha LF):
Bei Rindern ist infolge von Milch- und Mutterkuhquoten sowie steigender Leistungen je Kuh ein weiterer Rückgang zu erwarten, wäh­rend beim eher bescheidenen Schweinebestand – fast vollständig von 25 strukturbestimmenden Betrieben mit Beständen zwischen 1.000 und 12.000 Tieren gehalten – mit einem Anstieg gerechnet wird. Auch die Anzahl der Schafe im Kreis, 14.000 Stück in 11 Betrieben, ist unbefriedigend.

Odertal - Flußauenlandschaft
Das untere Odertal ist eine reizvolle Flußauenlandschaft. Hier wurde vor wenigen jahren der Nationalpark eingerichet was auch die Zustimmung der Landwirte fand. Mit Recht fordern sie jedoch, dass ihre Existenz nicht aufs Spiel gesetzt werden darf.

Die 83 milchviehhaltenden Unternehmen der Uckermark steigerten die Tierleistungen beträchtlich. Im Mittel erreichten sie 1998 immerhin 6.485 kg Milch je Kuh (1997: 6.134 kg/Kuh). Bei großen Unterschieden ragen Leistungen wie die 9.286 kg je Kuh (1998) in der Agrar GmbH ­Wolfshagen (2. Platz im Land Brandenburg) oder die 8.241 kg (1998) in der Agrar­genossenschaft Göritz, wo mit 1.234 geprüften Kühen der mit ­Abstand produktivste Großbestand des Landes steht, heraus. Doch, wie erwähnt: Jede Steigerung bedeutet weiteren Bestandsrückgang. Nach ­Ansicht auch des Kreisbauernverbandes ist die aktuelle Milchquote der Uckermark mit rund 800 kg je Hektar viel zu niedrig bemessen.



Daß umweltfördernde Maßnahmen, die sich aus dem regionalen Kulturlandschaftsprogramm, aus Naturschutz- und Landschaftspflege ergeben, in den Betriebskonzeptionen der Agrarunternehmen des Landkreises eine große Rolle spielen, versteht sich von selbst. Immer mehr Flächen sind in solche Programme eingebunden; entsprechende Zu­wendungen an Landwirte machten 1997 bereits 13,7 Mio. DM aus. Für zwei Drittel des Grünlandes in der Uckermark gelten heute Einschränkungen der Bewirtschaftung durch ökologische bzw. Extensivierungs­auflagen, die vor allem über die Mutterkuhhaltung umgesetzt werden. ­Besonders betroffen sind Regionen mit zahlreichen Schutzgebieten wie der Naturpark »Uckermärkische Seen«, das Biosphärenreservat »Schorfheide-­Chorin« und der junge Nationalpark »Unteres Odertal«.


Verarbeitung und Vermarktung verstärkt gefördert

Im Odertal sind freilich die Konflikte zwischen den hier ansässigen Bauern oder auch Fischern und den Naturschutz-Verantwortlichen im Lande noch nicht gelöst. Zu den seit Beginn der 90er Jahre bestehenden Einschränkungen der Produktion, die von teilweise erheblicher wirtschaftlicher Relevanz sind, werden weitere kommen. Die Agrarbetriebe sind zur Umstrukturierung bereit. Doch der regionale Bauernverband sieht den landwirtschaftlichen Erwerb sowie viele Betriebe – insgesamt 350 Arbeitsplätze – überaus stark gefährdet, zumal Alternativen nach Flächenaufkauf und dem Auslaufen von Pachtverträgen fehlen. Immerhin soll der Anteil der Totalreservate im Nationalpark von derzeit 10 bis zum Jahr 2010 auf 50 Prozent steigen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit des Landwirtschafts- und des Amtes für Flurneuordnung im Kreis Uckermark ist gegenwärtig die Förderung der Produktion nachwachsender Rohstoffe, der Verarbeitung und Vermarktung hiesiger Agrarprodukte sowie – auf Antrag – der Ausbau von Höfen als Familien-Urlaubsdomizile. Ein großer Teil der jährlich ge­zahlten Fördermittel und Beihilfen im Rahmen von Marktordnungen, Sonderprogrammen und Maßnahmen zur Förderung des ländlichen Raumes – zwischen 135 und knapp 170 Mio. DM in den letzten Jahren – wird verstärkt dafür eingesetzt. Für Flachs und Hanf sind bereits moderne Verarbeitungsverfahren entstanden. Ein weiteres Beispiel sind Direkt­vermarktungslinien für Rindfleisch, wie sie in Kerkow, Kleisthöhe und Criewen aufgebaut wurden.
Indes bleibt noch vieles zu tun, um in der seit altersher von Land-, Forst- und Wasserwirtschaft samt Fischerei geprägten Uckermark länd­liche Erwerbsquellen zu erschließen und zu sichern. Wenn vielerorts ­Gemeinschaftsbetriebe dominieren, wenn der Umstrukturierungsprozeß noch längst nicht abgeschlossen ist, so hat das handfeste Gründe, die aus der Nachkriegsgeschichte herrühren. So gibt es Hemmnisse unter anderem bei der Klärung von Eigentumsverhältnissen und beim Verkauf ehemals volkseigener Böden. Die Bodenreform, die nach dem 2. Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone durchgeführt wurde, die daraus resultierende Enteignung von Grundbesitz über 100 Hektar sowie von aktiven Nationalsozialisten und Kriegsverbrechern war in der Uckermark wie auch in Mecklenburg-Vorpommern wegen der hohen Konzentration großer Güter ein besonders einschneidendes Ereignis. Immerhin betrug der Anteil enteigneter Flächen, die überwiegend an Kleinstbauern, Umsiedler und Landarbeiter (jeweils bis zu 10 Hektar) übertragen wurden, hier 48 Prozent aller bewirtschafteten Flächen!


Zusätzliche Erwerbsquellen dringend nötig

Wertholzversteigerung
Alljährlich findet in Templin die Wertholzverteigerung der Landesforstbehörde statt, die auch zahlreiche Interessenten aus den alten Bundesländern anzieht. Holz aus märkischen Forsten genießt inzwischen bundesweit einen guten Ruf.

Viele Neubauern bewirtschafteten ihre kleinen Höfe mit Erfolg, andere schafften es mangels Wirtschaftskraft oder fachlicher Kenntnisse nicht. Gaben sie auf, wurden die Flächen dem staatlichen Bodenfonds (Volksgüter) zugeordnet. Als 1957 – politisch erwünscht, aber noch auf freiwilliger Basis – die ersten LPG unterschiedlichen Typs aus solchen Klein- und einigen Mittelbauernhöfen entstanden, waren sie für manchen Neusiedler fast ein Rettungsanker.

1960, das Jahr der »Vollgenossenschafts-Bewegung«, je nach Blickwinkel als Zwangskollektivierung oder Sozialistischer Frühling Bestandteil der DDR-Geschichte, verkrafteten viele Bauern nicht. Sie verließen die DDR. Andere stellten sich den neuen Verhältnissen, bauten trotz allgegenwärtiger Mangelwirtschaft nicht selten leistungsfähige Agrarunternehmen mit auf oder wurden sogar Leiter. Entscheidend ist: Die durch Jahrzehnte ihrer LPG-Mitgliedschaft geprägten Landbewohner, vor allem aber die so entstandenen Strukturen müssen in der Uckermark auch nach der Wiedervereinigung berücksichtigt, wenn nötig als notwendige Einkommensquellen gefördert werden. Zumal hier trotz dünner Besiedlung eine Arbeitslosigkeit von 20 Prozent hingenommen werden muß.

Wertholzversteigerung
Zum ersten, zum zweiten... und zum dritten! Gerade die Kiefer, der Brotbaum der Mark-Brandenburg, hat in den lezten Jahren von sich reden gemacht.

Eine willkommene zusätzliche Erwerbsquelle auch für uckermärkische Landwirte ist der Tourismus. Dem naturhungrigen Städter eröffnet die Region ein wahres Paradies. Insbesondere in den wald- und wasserreichen südlichen Gebieten gibt es eine Vielzahl touristischer Erlebnisstätten für Urlauber wie für Erholungssuchende auf dem Kurztrip, die nicht nur die Berliner anziehen. So werden die Landschaft und die großen Seen südlich von Prenzlau – der Oberuckersee im »Einzugsbereich« der Touristik GmbH Warnitz und der Unteruckersee mit zusammen 1.760 ha Wasserfläche – für Wochenendbesucher aus der Hauptstadt immer ­attraktiver, denn sie sind nur 70 km (A 11) entfernt.

Info-Zentrum Blumberger Mühle für Naturfreunde

Auf diesen und auf anderen größeren Gewässern des Naturparks »Uckermärkische Seen« um Templin und Lychen sind in der grünen Jahreszeit Fahrgastschiffe unterwegs. Und die Städte Templin und Lychen selbst wollen noch an Anziehungskraft gewinnen: Erstere strebt nach der Anerkennung als Kurort, Lychen will sogar Luftkurort werden.

Überall in der Uckermark laden freundliche Landgasthöfe zum Verweilen und immer mehr Pensionen zum Übernachten ein. Verschiedene Fischerei-Unternehmen bieten ihre Produkte aus eigenem Fang frisch oder geräuchert an. Vielerorts sind interessante Wanderrouten durch Wälder und entlang der Seen ausgeschildert. Campingplätze und Reiterhöfe vervollständigen die touristische Basis der Region, die freilich auch Angler und professionelle Weidmänner geradezu magisch anzieht.
Naturfreunde, die über erholsame Ruhe und Besinnung hinaus das Erlebnis naturbelassener Biotope mit zum Teil streng geschützten Pflanzen und Tieren suchen, sollten dem Biosphärenreservat »Schorf­heide-Chorin« sowie dem Nationalpark »Unteres Odertal«, in dem neben anderen Sumpf- und Wasservögeln Kraniche, Reiher, aber auch der hierzulande sehr seltene Schwarzstorch siedeln, einen Besuch abstatten. ­Allein im Nationalpark zählte man 1998 rund 80.000 Besucher. Am besten fährt man zuerst nach Angermünde. Die Stadt im Grünen mit gut erhaltenen Stadtmauerresten, schönen historischen Wohnbauten und Kirchen, dem Franziskanerkloster »Peter und Paul« sowie dem Ehm-Welk-Literaturmuseum könnte als Eingangstor für beide Schutzgebiete gelten. Hier befindet sich das vom Naturschutzbund gestaltete Informationszentrum »Blumberger Mühle« (Tel. 0 33 31/2 60 40, Fax 0 33 31/26 04 50). Es ermöglicht Landschaftserlebnis und Bildung auf 14 Hektar Fläche. Für Be­suchergruppen stehen im »Unteren Odertal« (Tel. Tourist-Information Schwedt: 0 33 32/2 55 90, Fax: 0 33 32/25 59 59) geprüfte Natur- und Landschaftsführer sowie Verleihstationen für Fahrräder zur Verfügung.

»Uns leew oll Uckermark« lädt herzlich ein. 

 
 
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