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Einen Ausweg aus dem Dilemma denken

Teltow, 08.01.2020. Die Brandenburger Landwirte rechnen vor Beginn der Internationalen Grünen Woche (IGW) auch in diesem Jahr mit „schockierenden“ Filmaufnahmen von Stalleinbrüchen, die „plötzlich“ in den Medien auftauchen. Vermutlich werden den Zuschauern wie gewohnt zur besten Sendezeit „schwere Vorwürfe“ gegen einen Tierhalter serviert. Von „Quälerei in der Massentierhaltung“ wird die Rede sein und von „schlimmen Versäumnissen“.

In den sozialen Medien wird sich der obligatorische Shitstorm über den betreffenden Bauern und über die Landwirtschaft insgesamt ergießen. Vielleicht stellt die anschließende Prüfung des zuständigen Veterinäramtes keine groben Pflichtverletzungen fest; vielleicht aber doch. Sollte sich herausstellen, dass bei erheblichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz das betreffende Filmmaterial bewusst über mehrere Wochen für PR-Zwecke zurückgehalten wurde, wird der Landesbauernverband Brandenburg Anzeige wegen strafrechtlichem Unterlassen erstatten. Dort wo Missstände aufgedeckt werden, muss diesen entschieden und zeitnah zum Wohle der Tiere nachgegangen werden. Tierleid darf nicht instrumentalisiert werden.
Ob Verstöße oder nicht, nächtliche Bilder aus mittleren und größeren Tierhaltungsbetrieben brennen sich in die Köpfe der Zuschauer ein; dazu noch die passende Regie und die meisten Menschen überkommt ein Unbehagen, auch wenn die Zustände vor Ort den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Hier offenbart sich ein Problem, dass offen und ehrlich diskutiert werden muss. Auf der einen Seite erleben wir hohe ethische Ansprüche einer postmaterialistischen Gesellschaft an die Lebens- und Tötungsbedingungen von Nutztieren. Absichtserklärungen, dafür mehr Geld auszugeben, gibt es gratis dazu. Auf der anderen Seite greift die große Mehrheit der Konsumenten entgegen der zuvor abgegebenen Lippenbekenntnisse tendenziell eher zu günstigen Produkten. Tierwohlaspekte spielen bei der tatsächlichen Kaufentscheidung nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Die verantwortlichen politischen Akteure tragen durch ihre Entscheidungen dazu bei, dass aus diesem Problem eine existenzbedrohende Zwangslage wird. Während sie auf der einen Seite die Tierwohlauflagen für die heimischen Landwirte kontinuierlich erhöhen und damit dem vermeintlichen Verbraucherwunsch nachkommen, erleichtern Sie gleichzeitig ausländischen Produzenten, die häufig unter niedrigeren Standards und Kosten produzieren, den Zugang zum deutschen Markt. Dieser Umstand schwächt die regionale Landwirtschaft und fordert deren Widerstand heraus. Der Zynismus der politischen Akteure ist kaum noch zu übertreffen und zwingt den heimischen Bauern einen moralischen Abnutzungskampf auf. Der Landesbauernverband Brandenburg versucht gegenwärtig am Beispiel der Hauptstadtregion Brandenburg-Berlin einen Ausweg aus dem Dilemma zu denken. „Noch sprechen wir intern über eine Zukunftsperspektive der Landwirtschaft 2030. Nachdem wir eine Entscheidung getroffen haben, werden wir der Gesellschaft, der Politik und dem Handel die ausgestreckte Hand reichen und Angebote unterbreiten. Von der Politik werden wird dann auch die Rahmenbedingungen und Unterstützung einfordern, ohne die eine Kreislaufwirtschaft wie wir sie uns vorstellen im globalen Wettbewerb nicht funktionieren wird.“, erklärt LBV-Präsident Henrik Wendorff.

Für nähere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
Dr. Tino Erstling, Pressesprecher Tel. Nr. 0151 12 21 86 92