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Fachtagung „Tierwohl zwischen Wunsch & Wirklichkeit“

Pressemeldung: Rund 140 Politiker, Landwirte, Tierärzte und Mitarbeiter der Verwaltungen des Landes und vieler Landkreise nahmen gestern an der Tagung „Tierwohl zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ in der Heimvolkshochschule am Seddiner See teil. Darüber hinaus beteiligten sich Mitstreiter von Bürgerinitiativen, Kirchen und interessierte Bürger an dem Fachgespräch.

Susanne Melior, Europaabgeordnete der SPD, die gemeinsam mit dem LBV Brandenburg e.V. zu dieser Veranstaltung geladen hatte, spannte den thematischen Bogen zur aktuellen öffentlichen Diskussion um Tierwohl und Tierhaltung. „Es gibt kein schwarz und weiß sondern eine Menge dazwischen“. Auch Brandenburgs Landwirtschafts- & Umweltminister Jörg Vögelsänger merkte in seinem Grußwort an, dass die reale Landwirtschaft in den Medien kaum stattfinde, sondern häufig nur Extreme gezeigt werden.

Johannes Röhring (MdB) Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes informierte darüber, dass wir in Deutschland heute – trotz einer gestiegenen Bevölkerungszahl weniger Nutztiere als vor 50 Jahren haben. Ein weiterer Verzicht an Produktion in unseren Regionen geht nicht mit einem Verzicht an Konsum einher und „nehme damit von den Tellern woanders“. Die in Deutschland errichtete Datenbank für den Antibotikaeinsatz in Tierhaltungsbetrieben sei einmalig in Europa, genauso wie die Beratungspflicht für Betriebe mit erhöhten Einsatzmengen. Gibt es solche Regelungen auch im humanmedizinischen Bereich?

Stallgrößen und Tierzahlen haben nichts mit dem Einzeltierwohl zu tun, bestätigte in der Diskussion auch der Präsident der Landestierärztekammer Brandenburg, Hans-Georg Hurttig. Mehr Transparenz forderte dagegen Holger Ackermann, der Initiator der Volksinitiative gegen Massentierhaltung in Brandenburg. Auch sei es notwendig in den Schulen besser über die Landwirtschaft zu informieren.

Dr. Frank Tiedig, Marketingleiter von EDEKA, betonte, dass der Handel Aktivitäten unterstützen wolle, die zu einem messbaren Mehr an Tierwohl führen. Jedoch habe eine gemeinsam mit dem Tierschutzbund ins Leben gerufene Produktlinie gezeigt, das bei einem erhöhten Preis dann auch entsprechend der Abverkauf sinke.

"Diese Tagung hat einmal mehr gezeigt, dass sich die Diskussion um das Tierwohl viel stärker als bisher an den Realitäten orientieren muss", schlussfolgerte LBV-Präsident Udo Folgart, in seinem Schlusswort zur Fachtagung. "Die neu ins Leben gerufene und wirtschaftsgetragene „Initiative Tierwohl“ zeigt viele Maßnahmen auf, die das Tierwohl objektiv befördern und in einem detaillierten Kriterienkatalog hinterlegt sind." Das zeige auch, dass nicht für jede Maßnahme das Ordnungsrecht bemüht werden müsse. "Als Landwirt muss ich aber auch deutlich sagen, dass die Tierhalter nicht zu Vorleistungen ermuntert werden dürfen, die langfristig weder durch eine Investitionsförderung noch durch eine ständig schwankende Marktlage ausgeglichen werden." Folgart betonte daher, dass der Ansatz der "Initiative Tierwohl", die Zusatzleistungen unabhängig von der Marktlage zu vergüten, ein richtiger Weg sei.

An die Kritiker moderner Tierställe gewandt, erklärte Folgart, dass "zu oft die Augen vor den bereits erreichten Leistungen verschlossen werden. Wer sich heute vor Ort ein Bild von einem Boxenlaufstall für Milchkühe macht, wird erstaunt sein“ oder anders „wer wie zu Opa‘s Zeiten Tiere erzeugen will, müsste dann auch wie zu Oma‘s Zeiten leben“, zitierte er Röhring.

Mit jeder erforderlichen Zusatzinvestition für Tierwohlverbesserungen stelle sich für die Betriebsleiter allerdings immer auch die Frage, ob die Investition verkraftbar sein oder es nicht besser sei, aus der vorhandenen Produktion auszusteigen." Gerade kleinere Betriebe bekommen immer mehr Probleme, die kostenintensiven Auflagen zu erfüllen. Das kann dazu führen, dass Brandenburg noch weniger Nutztiere hat, als es seit Jahren schon der Fall ist. „Die Diskussion über die Tierhaltung, die Wünsche der Verbraucher und die Preisfestlegung des Handels dürften die Landwirte daher nicht überfordern“, so Folgart.

Für nähere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
Johannes Funke, Mitarbeiter des  SPD-Abgeordneten Udo Folgart im Landtag; 0160 7408547
Holger Brantsch, Pressesprecher des LBV; Tel 0 33 28  -  31 92 04 oder  - - 201 oder   0151 – 12218693