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Bio-Getreidemarkt vor harter Bewährungsprobe

06.08.2019 Pressemeldung

Pünktlich zur Brandenburger Getreideernte 2019 werden Absatzprobleme innerhalb der Biobranche deutlich. Das Angebot übersteigt bei Biogetreide die Nachfrage. Die Preise für die Landwirte fallen, während der Handel seine Gewinnmargen behält. Es fehlt in Brandenburg eine Gesamtstrategie für die Branche. 

Teltow, 06.08.2019. Der Erzeugerpreis für ökologisch erzeugtes Getreide gestaltet sich zur Ernte 2019 äußerst unbefriedigend und für Umstellungsware von konventionell auf Bio liegt dieser fast auf dem Niveau des herkömmlichen Anbaus.

Ein Problem wird offensichtlich: die Läger der weiterverarbeitenden Unternehmen, des Handels und der Marktorganisationen von Bioverbänden sind gefüllt. Zudem drängt Getreide in großen Mengen aus dem Ausland auf den begrenzten Markt. Hinzu kommt, es fehlen Impulse für einen besseren Absatz im Futterbereich. Grund hierfür ist die Stagnation bei den Tierzahlen innerhalb der Ökotierhaltung aufgrund einer geringen Nachfrage und unsicheren Investitionsbedingungen.

Zahlreiche Landwirte in Brandenburg haben sich aufgrund der schlechten Einkommenssituation im konventionellen Bereich sowie der staatlichen Förderung dazu entschieden, ihre Produktion auf Öko umzustellen. „Sie orientieren sich damit am Wunsch von Teilen der Gesellschaft nach ökologisch erzeugten Waren und bauen auf deren häufig formulierte Bereitschaft, dafür auch mehr Geld auszugeben. Nun müssen wir konstatieren, dass es sich dabei meist um Lippenbekenntnisse handelt. Am Ende entscheidet die Mehrheit der Verbraucher eben doch streng nach Preis. Die Moral steckt eben im Regal.“, kommentiert Holger Jonas die Situation, Fachausschussvorsitzender Ökologischer Landbau beim Landesbauernverband Brandenburg.

 „Eine Förderung des ökologischen Landbaus muss sich künftig stärker an der Nachfrage am Markt orientieren sowie an einer möglichen regionalen Verarbeitung und Vermarktung“, erklärt LBV-Präsident Henrik Wendorff. „Bei unveränderter Marktsituation kann ich derzeit keinem konventionellen Ackerbaubetrieb die Umstellung auf ökologischen Landbau empfehlen.“

Mit 12% Ökolandbau zählt Brandenburg zu den Bundesländern mit dem höchsten Öko-Anteil an der Landwirtschaftlichen Nutzfläche. Es fehlen jedoch regionale Verarbeiter und Vermarkter für vorwiegend im Land produziertes Biogetreide. „Neben einer reinen Förderung im Bezug auf die Fläche fehlt es an einem strategischen Gesamtkonzept für die Branche. Wichtige Bausteine dazu wären: Forschung, Bildung, Beratung, Wissenstransfer, Marktentwicklung und –analyse, Investitionsförderung sowie ein Kompetenzzentrum für Ökolandbau.“, so der Präsident.

Für nähere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Dr. Tino Erstling, Pressesprecher Tel. Nr. 0151 12 21 86 92